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30 I CoverstoryDas Making-of vonATEA 2.0 |%u00a0Die Chemiedes MachensMan merkt der 37-j%u00e4hrigen Architektin Isil an, dass sie in genau solchen Momenten voll in ihrem Element ist. Sie brennt f%u00fcr das, was sie tut %u2013 und sieht sich dabei selbst weniger als abgehobene Vision%u00e4rin, sondern vielmehr als strategische Gestalterin. Denn Begeisterung allein reicht nicht, um ein 50-Meter-Hochhaus in den Himmel zu ziehen. Es braucht ein unersch%u00fctterliches Konzept, das Mut und Struktur vereint %u2013 und am Ende selbst der strengen %u00dcberpr%u00fcfung durch Isils legend%u00e4ren, alten SchulTaschenrechner standh%u00e4lt.Es ist genau diese besondere Chemie des Machens, die hier am Tisch f%u00f6rmlich greifbar wird. Auf der einen Seite der pragmatische Investor, der auf kurze Wege setzt, seinem gesch%u00e4ftlichen Instinkt vertraut und echte Macher-Qualit%u00e4ten sch%u00e4tzt. Auf der anderen Seite die strukturierte Gestalterin, die mit ihrem Taschenrechner daf%u00fcr sorgt, dass Architektur mit Seele am Ende auch kaufm%u00e4nnisch funktioniert. Zwei Welten, die sich erg%u00e4nzen. Ein klassischer Win-Win-Moment aus Not und %u00f6kologischer %u00dcberzeugung. Upcycling in einer Dimension, die Bocholt so noch nicht gesehen hat. Doch architektonisch gleicht diese Vorgabe der Quadratur des Kreises. Ein 25 Meterhohes, eher tristes Bestandsgeb%u00e4ude erhalten und daran/darauf einen hypermodernen, 15-st%u00f6ckigen Leuchtturm an- bzw. aufzusatteln?Wie l%u00f6st man so etwas visuell und statisch, ohne dass es am Ende aussieht, als h%u00e4tte jemand einfach zwei Legosteine lieblos aufeinandergestapelt?Isil Schaeffler: Genau an diesem Punkt f%u00e4ngt man an, echte Architektur zu machen. Diese anf%u00e4ngliche Masse ist f%u00fcr uns quasi wie ein roher Block Knetmasse, den wir auf den Tisch packen und formen. Wir haben uns ganz bewusst f%u00fcr eine Verdrehung der Etagen entschieden. Das schafft nicht nur wertvolle Privatsph%u00e4re f%u00fcr die Fl%u00e4chen, sondern gibt dem Geb%u00e4ude eine ungeheure Dynamik. Der Turm wirkt dadurch zu keiner Sekunde monoton %u2013 du hast nicht einfach identische Wohnungen %u00fcbereinandergestapelt, sondern jede Ecke, jede Etage bietet einen v%u00f6llig neuen, spannenden Blickwinkel. Um das Ganze zu erden, wird es nach unten hin abgestaffelt. Wir nehmen die Baumasse gezielt zur%u00fcck und haben vorn an den Ecken quasi zwei Etagen weggenommen. So lassen wir das Geb%u00e4ude optisch weich in die Nachbarschaft hineinflie%u00dfen, f%u00fchren die Kante sanft zur Bestandsbebauung herab und vermeiden einen harten architektonischen BruchEs ist faszinierend zuzuh%u00f6ren, wie aus einer harten kaufm%u00e4nnischen Notbremse %u2013 dem Erhalt des Altbaus zur Kostenersparnis %u2013 durch kreative Intelligenz pl%u00f6tzlich die gr%u00f6%u00dfte architektonische St%u00e4rke des Geb%u00e4udes wird. ATEA 2.0 wird kein starrer Monolith, sondern ein in sich gedrehtes, dynamisches Bauwerk, das auf die dr%u00e4ngendsten Fragen der modernen Bauwelt antworten soll. Isil Schaeffler: Ich bin unfassbar stolz darauf, was Marvin Schl%u00fctter (Projektleitender Architekt von ATEA 2.0) und das ganze Team kreiert haben. Das Fundament des Hintergrundwissens zu ATEA 2.0 steht %u2013 jetzt ist es Zeit, sich die inneren und %u00e4u%u00dferen Werte dieses neuen Bocholter Wahrzeichens genauer anzusehen.Ich erinnere einen Glaubenssatz von Dr. Reinhard K. Sprenger, der mich seit Anfang dieses Jahrtausends begleitet, der sinngem%u00e4%u00df lautet: %u201eLasst doch einen Gedanken erst einmal zu, bevor ihr ihn ablehnt.%u201c Nachdenken%u00a0%u2013%u00a0Umdenken%u00a0%u2013 Neudenken ist das Angebot, das er seinen Zuh%u00f6rern in seinen Vortr%u00e4gen macht. %u201eDenk in L%u00f6sungen, nicht in Problemen %u2013 seht den K%u00e4se, nicht die L%u00f6cher.%u201c Dr. Reinhard K. Sprenger

