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Von Rotterdam nachBocholt | Warum es gut seinkann, die Propheten imeigenen Land zu suchen Aus unseren Vorgespr%u00e4chen mit Flo wei%u00df ich: Es gibt in der Immobilienbranche einen ungeschriebenen Reflex: Sobald die Bausumme an der 50-Millionen-Euro-Marke kratzt %u2026 das Objekt an den Wolken schnuppert, richtet sich der Blick automatisch nach au%u00dfen. Man sucht die gro%u00dfen Namen in den Metropolen, die Star-Architekten aus Berlin, Hamburg oder eben Rotterdam, um dem Projekt den internationalen Glanz zu verleihen. Auch Flo Schillings erlag zun%u00e4chst diesem Reflex. ATEA 1.0 lag fix und fertig auf dem Tisch %u2013 gezeichnet von einem renommierten niederl%u00e4ndischen B%u00fcro. Optisch ein Aufschlag, der sich sehen lassen konnte. Doch auf dem Bau gewinnt man keine Schlachten nur mit sch%u00f6nen Renderings, wenn die Chemie im Maschinenraum nicht stimmt. Ihr hattet f%u00fcr den ersten Aufschlag absolute Schwergewichte im Boot. Das international t%u00e4tige und renommierte B%u00fcro Barcode Architects aus Rotterdam. Klingt nach Champions League. Warum hast du diese extrem prominente Rei%u00dfleine gezogen?Florian Schillings: Weil die geografische und strukturelle Distanz in der Praxis f%u00fcr mich eine zu gro%u00dfe H%u00fcrde war. Architektonisch waren die Entw%u00fcrfe top. Aber wenn du ein Projekt hier in Bocholt mit unserem Tempo entwickeln willst, brauchst du schnelle Entscheidungen. Das Set-up mit der niederl%u00e4ndischen Architektin Caro war hochprofessionell, aber eben auch sehr hierarchisch organisiert. Spontane Abstimmungen waren da kaum m%u00f6glich, alles brauchte lange Vorl%u00e4ufe f%u00fcr feste Termine. Da habe ich gemerkt: Das passt nicht zu meiner Philosophie. Ich brauche kurze Wege und Projektentwicklung auf absoluter Augenh%u00f6he.Ein ehrliches, fast schon schonungsloses Fazit. Flo Schillings ist ein Macher, der es gewohnt ist, Dinge auf dem kurzen Dienstweg zu kl%u00e4ren. Er sucht tats%u00e4chliche N%u00e4he im Projekt, kein elit%u00e4res Termin-Tetris. Mit dem Haken an Rotterdam traf er eine Entscheidung, die f%u00fcr den Standort Bocholt r%u00fcckblickend ein echter Gl%u00fccksfall war.Der harte Cut: Von der unnahbaren Star-Architektur zur vision%u00e4ren Prophetin im eigenen Land. Wie bist du auf Isil zugegangen? Florian Schillings: Ganz unkompliziert. Ich bin zu ihr gefahren, habe mich mit ihr an den Tisch gesetzt und gefragt: Hast du Bock auf dieses Projekt? Hast du Lust, deinen Gedanken mal v%u00f6llig freien Lauf zu lassen? Mir war klar: Ich brauche keine Hierarchien und keine drei Monate Wartezeit f%u00fcr ein Meeting. Wenn mir nachmittags um halb f%u00fcnf eine Idee durch den Kopf schie%u00dft, schreibe ich Isil kurz eine WhatsApp oder rufe sie an. Eine solche Zusammenarbeit auf dem kurzen Dienstweg hast du bei den gro%u00dfen internationalen B%u00fcros einfach nicht.Isil Schaeffler, die Frontfrau von STUDIO S Architekten, sitzt w%u00e4hrend dieser Schilderung ruhig am Tisch. Sie l%u00e4chelt, als Flo diese Situation schildert. Es war genau der Moment, in dem aus einer namenlosen Hochhaus-Idee ihr Projekt, ihr Meisterst%u00fcck wurde. Ein Ritterschlag f%u00fcr ein junges, 25-k%u00f6pfiges Bocholter Architekturb%u00fcro. Isil, Hand aufs Herz: Als Flo die Rei%u00dfleine bei den internationalen Namen zog, bei dir im B%u00fcro aufschlug und dir quasi die architektonische Vision f%u00fcr die Toreinfahrt Bocholts anvertraute %u2013 was ging in diesem Moment in dir vor?Isil Schaeffler: Ich wusste im Vorfeld schon grob von dem Projekt und hatte damals zu meinem Mitarbeiter Sebastian Euting gesagt: %u201eIch wei%u00df nicht warum, aber ich habe das Gef%u00fchl, das wird unser Projekt.%u201c Als Flo dann tats%u00e4chlich da war, war ich im ersten Moment irritiert. Ich habe ihn ganz direkt gefragt: Flo, wieso bist du damit bei uns? Brauchst du noch ein Vergleichsangebot? Soll ich mit spitzem Bleistift rechnen? Worum geht es dir?

