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                                    190 I PortraitNicht ganz, das hatte eine ziemlich kuriose Vorgeschichte. Nach dem Verkauf meiner ersten Firma hatte ich eigentlich ein Grundst%u00fcck im neu entstehenden Industriegebiet gekauft und wollte dort in ausgemusterten Hapag-Lloyd-Containern kleine Betriebe ansiedeln. Da hat der Bocholter Stadtrat aber quergeschossen %u2013 die wollten keine %u201eContainerlandschaft%u201c. Also musste ich alles r%u00fcckabwickeln. Die ersten Container, die schon geliefert waren, stellte ich kurzerhand bei mir hinten im Garten auf. Kurz danach kamen Landwirte aus meiner Nachbarschaft, die mit ihrer Viehhaltung in eine Schieflage geraten waren, und fragten, ob ich Arbeit f%u00fcr sie h%u00e4tte. Letztendlich waren es vier meiner Nachbarn, auf deren H%u00f6fen wir VKF an den Start gebracht haben. Der erste gro%u00dfe Durchbruch f%u00fcr dein Unternehmen %u2013 wie sah der aus? Ich kannte jemanden bei Herlitz in Berlin. Deren System f%u00fcr die Schulshops war eine Katastrophe, die Papprohre sind im Laden st%u00e4ndig zusammengekracht. Also habe ich mir kurzerhand Gardinenrohre und clevere Drehgelenke geschnappt und einfach einen v%u00f6llig neuen Verkaufsstand entworfen. Die waren hin und weg und bestellten direkt 250 St%u00fcck auf einen Schlag. Um diese Menge bew%u00e4ltigen zu k%u00f6nnen, sind meine Nachbarn aus Spork in die Bresche gesprungen und haben bei mir tagelang im Akkord Displays geschraubt.Das Produkt, das euch letztendlich weltweit gro%u00df gemacht hat, ist eine Scannerschiene, wie ich gelesen habe %u2013 ohne zu wissen, was das ist. Heinz bittet Birgit, ein Muster aus seinem B%u00fcro zu holen, damit es f%u00fcr einen Nichttechniker wie mich, begreifbar wird %u2026 in den Synapsen %u2026 und in der Hand. Die Entwicklung habe ich damals zusammen mit niederl%u00e4ndischen Partnern vorangetrieben. Das Problem im Einzelhandel war Folgendes: Die Vertreter liefen damals noch mit einem Lesestift durch die G%u00e4nge, um die Barcodes auf den Preisschildern f%u00fcr den Warenbestand zu erfassen. Weil die herk%u00f6mmlichen PVC-Schienen an den Regalen aber v%u00f6llig flach waren, sind sie mit dem Stift beim Scannen st%u00e4ndig abgerutscht. Meine L%u00f6sung war total simpel: Wir haben eine Schiene entwickelt, die an der Oberkante eine kleine Nase hatte. Dadurch hatte der Stift eine feste F%u00fchrung und man konnte beim Scannen nicht mehr abrutschen.Eine kleine Nase aus Kunststoff als globaler Gamechanger. Frei nach Neil Armstrongs legend%u00e4ren Worten vom Mond m%u00fcsste es hier wohl hei%u00dfen: ein kleiner Schritt f%u00fcr einen T%u00fcftler, aber ein riesiger Sprung f%u00fcr den weltweiten Einzelhandel. Manchmal sind es eben die scheinbar unscheinbarsten Details, die eine ganze Industrie ver%u00e4ndern.Ich habe gelesen, dass Du im Zusammenhang mit den hemds%u00e4rmeligen Aktionen auf den Bauernh%u00f6fen, etwas eingerichtet hast, was man heute Betriebskindergarten nennen w%u00fcrde %u2026Das k%u00f6nnte man so nennen, auch wenn es viel bescheidener zuging. Viele unserer Mitarbeiterinnen wurden in dieser Zeit Mutter. Ich habe damals einfach einen Raum hergerichtet, wo sie ihr Kind wickeln und bei sich haben konnten. Eine Mutter, die Beruf und Kind so unkompliziert verbinden kann, ist eine wahnsinnig starke Kraft f%u00fcr das Unternehmen. Als wir sp%u00e4ter das gro%u00dfe Grundst%u00fcck in Isselburg kauften, stand f%u00fcr mich sofort fest: Wir bekommen hier einen Betriebskindergarten. Die Wertsch%u00e4tzung weiblicher Fachkr%u00e4fte, geboren aus purer Notwendigkeit. Heinz Renzel verstand offensichtlich fr%u00fch: Wer das Potenzial von Frauen im Beruf nutzen will, muss die Rahmenbedingungen an ihre Lebensrealit%u00e4t anpassen. Ganz ohne moderne Leitf%u00e4den zur %u201eVereinbarkeit von Familie und Karriere%u201c baute er eine Br%u00fccke, die M%u00fcttern den schnellen Wiedereinstieg erlaubte. Einfach, weil es f%u00fcr alle Beteiligten die intelligenteste L%u00f6sung war.Der Tenor des Interviews ist vertraut. Bei bestimmten Passagen schaut man sich kurz in die Augen %u2013 danach ist klar: Es war nur f%u00fcr unsere Ohren %u2026 zum Verst%u00e4ndnis. Es ist genau diese ungeschminkte Authentizit%u00e4t, die eine solche Begegnung zu einem Meisterst%u00fcck macht. Ein kurzer Blickwechsel zwischen Kirsten und mir %u2013 wir sind uns einig, dass ein rasanter ThemenwechDie legend%u00e4re Scannerschiene
                                
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