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186 I PortraitDu bist Baujahr 1942, im Januar geboren, also Wassermann. W%u00fcrdest du sagen, das ist ein Premium-Jahrgang?An meine Geburt selbst habe ich wenig Erinnerungen ;-)%u00a0%u2026 wohl an die Zeit danach%u00a0%u2026 die Nachkriegsjahre. Ich bin unter meiner Mutter und ihren Schwestern gro%u00df geworden. Mein Vater kam erst 1948 aus russischer Gefangenschaft wieder zu uns. Aus der lockeren Aufw%u00e4rmphase katapultiert er uns mit einem einzigen Satz direkt in eine v%u00f6llig andere Zeit. Aus dem fr%u00f6hlichen Gepl%u00e4nkel %u00fcber Whisky-Cola und Apple-Rechner wird pl%u00f6tzlich greifbare Zeitgeschichte.Vom Kolonialwarenladenzum Global Player | Einnicht ganz schn%u00f6rkelloserWeg %u2026 auf dem %u201eaus der Notgeboren%u201c keine Floskel war Erinnerst du dich noch an den Geruch eures Kolonialwarenladens?Ja, ich bin ja da drinnen gro%u00df geworden. Wir haben noch Schinken und K%u00e4se geschnitten %u2026 Sauerkraut selbst angesetzt %u2026, Heringe eingelegt%u2026 Mehl einget%u00fctet%u2026 Kaffee gemahlen. Es gab viel zu schnuppern. Das sind Erinnerungen, die mich zutiefst gepr%u00e4gt haben.Du hast mal in einem Interview von einem Kulturschock in deinen Kinderjahren gesprochen %u2013 was war der genaue Hintergrund? Das war der Moment, als mein Vater einen Tisch an die T%u00fcr setzte und sagte: %u201aJetzt sind wir ein Selbstbedienungsladen!%u2018 F%u00fcr mich war es entsetzlich zu sehen, dass die Kunden sich die Ware pl%u00f6tzlich selbst aus dem Regal nehmen konnten. Der Blick von Heinz verliert sich f%u00fcr den Bruchteil einer Sekunde in der Vergangenheit. Die Atmosph%u00e4re in seinem B%u00fcro, umgeben von modernsten Prototypen und Skizzen f%u00fcr die Zukunft, steht in krassem Kontrast zu dieser Erinnerung an die rustikale Welt der Nachkriegsjahre. Kirsten nutzt diesen nachdenklichen Moment, um mit ihrer Kamera genau diese Tiefe in seinem Gesicht einzufangen.Was war das Motiv deines Vaters f%u00fcr diesen Wandel? Es lag in der Geburtsstunde der Discounter %u2013 allen voran ALDI, die alle Preise unterboten. Mein Vater war gezwungen zu reagieren und die Kosten runter zu fahren %u2013 das traf zun%u00e4chst das Personal%u2026%u2026 sp%u00e4ter auch euch als Familie, wie ich gelesen habe %u2013 ihr musstet schlie%u00dfen, oder? Ich war hautnah dabei, als der Laden sich einfach nicht mehr halten konnte. Letztendlich kam keiner mehr und die Ware, die noch da war, wurde dann auch nicht mehr abverkauft. Die Situation war sehr dramatisch. Die Schubladen waren leer, es war einfach kein Geld mehr da. In einer solchen Situation bekommst du auch keinen Kredit %u2013 da l%u00e4uft dann nichts mehr. W%u00fcrdest du sagen, dass dieses pr%u00e4gende Erlebnis der eigentliche Ursprung deines heutigen, absoluten %u00dcberlebenswillens ist?%u201eNot macht erfinderisch.%u201c Wir haben wirklich von der Hand in den Mund gelebt. Auch damals, als ich mich dann sp%u00e4ter selbstst%u00e4ndig machte und mit meiner Frau zusammen war, da gab es dann Erbsensuppe mit Brot. Oder Linsensuppe mit Brot. Und das f%u00fcnf Tage lang, bis endlich das erste Geld hereinkam. Gestartet bin ich mit einer Lehre zum Schaufenstergestalter, dann war ich beim Milit%u00e4r. Als ich vom Milit%u00e4r zur%u00fcckkam, ging das Gesch%u00e4ft meines Vaters immer weiter in die Knie. Das f%u00fchrte zu harten Auseinandersetzungen mit ihm. Ich sagte: %u201eMach dein Gesch%u00e4ft zu, wir verdienen kein Geld mehr!%u201c Er sagte: %u201eLass den Laden, den habe ich aufgebaut.%u2018

