Page 102 - Demo
P. 102
100 I PortraitRoadtrip durch die Historie %u2013 Der Vision%u00e4r auf Tesla-SchleichfahrtDienstag | 10. M%u00e4rz 2026 | 12:25 Uhr46395 Bocholt | Schlavenhorst 25 | vom Gel%u00e4nde der TEKLOTH GmbH %u2026 unterwegs durchs Industriegebiet %u2026 auf den Stra%u00dfen der Stadt | Mobiler Untersatz: Roter TeslaYoungtimerJ%u00fcrgen Willing bittet uns, in seinem burgunderroten Tesla Model S aus dem Jahr 2013 Platz zu nehmen. Wir gleiten vom Hauptquartier der TEKLOTH GmbH nach rechts in den Schlavenhorst. Kirsten hat ihre Sonnenbrille vorsichtshalber trotzdem tief auf die Nase gedr%u00fcckt und h%u00e4lt sich an der T%u00fcrverkleidung fest. Die Erinnerung an unsere letzte Testfahrt in J%u00fcrgens aktueller Rakete, dem Tesla Model S Plaid, sitzt offensichtlich noch tief. Damals hatte uns sein %u201eAkkuschrauber%u201c %u2013 wie er ihn selbst bezeichnet %u2013 in erbarmungslosen 2,1 Sekunden von Null auf Hundert in die Sitze getackert und Kirstens Brille in den Kofferraum bef%u00f6rdert. Heute lassen wir es entspannter angehen %u2013 was aber nicht dem in die Jahre gekommenen Fahrzeug geschuldet ist %u2013 sondern dem Anlass unserer Ausfahrt. Wir m%u00f6chten mit J%u00fcrgen ein paar Meilensteine des Unternehmens abfahren und eine kleine %u201evisuelle Inventur%u201c vornehmen: Wieviel Tekloth steckt eigentlich in den Unternehmen des gr%u00f6%u00dften, zusammenh%u00e4ngend erschlossenen Industriegebiets in NRW? Dein aktueller Plaid-Tesla gleicht einer Boden-Boden-Rakete. Heute cruisen wir stilecht und deutlich entschleunigter in deinem roten Tesla-Oldtimer, einem Model S der allerersten Generation. Ist das heute sinnbildlich f%u00fcr deinen eigenen neuen Rhythmus? Hast du das Tempo nach der formellen %u00dcbergabe der Gesch%u00e4ftsf%u00fchrung an die %u201adrei Musketiere%u2018 wirklich gedrosselt?Dieser Wagen, eine limitierte Signature-Edition, ist f%u00fcr mich eher ein rollendes Museumsst%u00fcck der Mobilit%u00e4tswende. Vor vierzehn Jahren, als Elektromobilit%u00e4t in Deutschland f%u00fcr die meisten noch nach Golfcart klang, habe ich blind eine nicht unerhebliche Anzahlung an ein damals v%u00f6llig unbekanntes Start-up namens Tesla %u00fcberwiesen. Viele haben damals gesagt: Du Idiot, bestellst dir so einen %u201eAkkuschrauber%u201c. Aber f%u00fcr mich war das eine echte %u00dcberzeugungstat. Um mir das selbst ein wenig sch%u00f6n zu rechnen, habe ich das mental auch unter Marketinggesichtspunkten verbucht. ;-)Heute haben wir f%u00fcnfundvierzig Elektrofahrzeuge in der Firmenflotte und der Wagen hier hat fast dreihunderttausend Kilometer auf dem Tacho, schnurrt aber wie am ersten Tag. Wir biegen in den Anholter Postweg ein und verlangsamen auf H%u00f6he der Hausnummer 2 unsere Fahrt. Durch die Seitenscheibe blicken wir auf ein Geb%u00e4ude, das heute kaum noch etwas von dem erahnen l%u00e4sst, dass genau hier die Keimzelle des heutigen Unternehmens TEKLOTH liegt.Hier hat alles begonnen. 1958 haben deine Eltern August und Thea Willing den Betrieb gegr%u00fcndet %u2026Genau. Hier hat alles in einer kleinen Garagenwerkstatt mit Ladengesch%u00e4ft begonnen.Stand hier auch deine pers%u00f6nliche Wiege?Das kann man w%u00f6rtlich nehmen, denn das hier vor uns ist mein Elternhaus, hier bin ich geboren. Die Wurzeln des Unternehmens und meine eigenen sind untrennbar miteinander verbunden. Mein leiblicher Vater hat hier in der Werkstatt zun%u00e4chst mit Hausger%u00e4ten und Leuchten angefangen, bis er Ende 1961 an den Folgen einer Verletzung, die sich tragischerweise zu einer Hirnhautentz%u00fcndung entwickelte, verstarb. Da war ich gerade mal neun Monate alt. Als mein Vater Josef Tekloth dann im M%u00e4rz 1963 in das Leben meiner Mutter und in den Betrieb trat, wuchs die Firma von zu Hause aus stetig weiter. Erst war da nur die Garage, dann bauten wir eine Doppelgarage an, und unser privater Keller diente jahrelang als Lager. Ich bin quasi mittendrin zwischen Kabeln und Ger%u00e4ten gro%u00df geworden. Das alles nahm exakt hier seinen Anfang, bis wir 1984 mit der Firma in den Industriepark umgezogen sind.Wie viel von dem, was das Geb%u00e4udetechnik-Imperium TEKLOTH heute ausmacht, verdankt das Unternehmen der bodenst%u00e4ndigen Handwerks-Basis deines Vaters, und wie viel deinem unruhigen, vision%u00e4ren Geist, der schon vor Jahrzehnten an W%u00e4rmepumpen glaubte?Es war immer die Kombination aus beidem. Die tiefe Verwurzelung im anst%u00e4ndigen, sauberen Handwerk durch meinen Vater, gepaart mit meinem Mut, Dinge einfach auszuprobieren. Wir hatten fr%u00fch den Riecher f%u00fcr das, was kommen w%u00fcrde %u2013 sei es die K%u00e4ltetechnik Ende der Sechzigerjahre, die Photovoltaikanlagen mit der TEKLOTH Solar oder die komplette Digitalisierung des Geb%u00e4udemanagements. Wir haben uns gegenseitig perfekt erg%u00e4nzt.J%u00fcrgen steuert den roten Tesla zur%u00fcck in Richtung Industriegebiet. Wir passieren dabei eine ganze Reihe Bocholter Schwergewichte, bei denen TEKLOTH seine technologische Handschrift hinterlassen hat. Ob beim Komplettausbau der Bocholter Transport Gesellschaft (BTG), bei Ostermann, Fiege, PlasticPartner oder dem langj%u00e4hrigen Stammkunden Sinnack %u2013 die Liste der Referenzobjekte, an denen wir vorbeigleiten, liest sich fast wie das Who-is-Who der hiesigen Wirtschaft. Es waren nicht wenige der unmarkant-markanten Pantone-blauen-Bullis mit TEKLOTH-Schriftzug, denen wir auf dem Weg begegneten.

