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Wir haben verk%u00fcrzte Arbeitszeiten nach der Geburt von Kindern erm%u00f6glicht, den Wiedereinstieg gef%u00f6rdert, auch technische Ausbildungen f%u00fcr Frauen aktiv unterst%u00fctzt. Wir haben die M%u00fctter w%u00e4hrend ihrer Elternzeit immer %u00fcber Neuerungen im Unternehmen informiert und den Kontakt zu ihnen gehalten. F%u00fcr mich war das normal. Ich habe einfach gesehen, was diese Frauen k%u00f6nnen %u2013 wenn man sie l%u00e4sst.Du hast nicht nur den Ton in der F%u00fchrung ver%u00e4ndert, sondern auch die Struktur eures Unternehmens %u2013 mit der Einberufung eines Beirates zum Beispiel. Was war dir dabei wichtig?Ich wollte Kontrolle %u2013 aber im positivsten Sinne. Der Beirat sollte uns unterst%u00fctzen, den Blick zu weiten. Professor Dr. Hentze aus M%u00fcnster war einer der ersten, den ich daf%u00fcr gewinnen konnte. Er steht uns heute noch zur Seite. Es ging darum, dass niemand %u2013 auch ich nicht %u2013 Entscheidungen im Alleingang trifft, ohne andere Perspektiven zu h%u00f6ren. Gerade bei Themen wie Nachfolge oder dem demografischen Wandel ist das entscheidend.Der Standort Bocholt war f%u00fcr dich nie verhandelbar %u2013 trotz aller Herausforderungen %u2013 wie wir aus den Gespr%u00e4chen mit deinem Sohn Sven, dem gesch%u00e4ftsf%u00fchrenden Gesellschafter von PIERON, wissen. Warum?Weil es unsere Heimat ist %u2013 f%u00fcr uns als Familie, aber auch f%u00fcrs Unternehmen. Wir sind hier seit 1925. Selbst als die Joint Ventures in den USA 2001 und in China 2005 dazukamen %u2013 in Bocholt schl%u00e4gt unser Herz. Ich wollte, dass wir bleiben, dass wir investieren, aber mit Ma%u00df. Nicht laut, nicht gro%u00dfspurig %u2013 sondern bodenst%u00e4ndig, so wie wir sind.Gisela, der zu Interviewenden geb%u00fchrt das letzte Wort: Wenn du auf all das Erlebte zur%u00fcckblickst %u2013 was sollte bleiben und bestenfalls zum Nachdenken, Umdenken, Neudenken inspirieren?Dass es sich lohnt, Haltung zu zeigen. Das Menschliche und den Menschen nicht aus dem Auge zu verlieren. Dass F%u00fchrung nichts mit Lautst%u00e4rke zu tun hat, sondern mit Klarheit. Und dass man als Frau nicht h%u00e4rter sein muss als M%u00e4nner, sondern einfach ehrlich. Man sollte bei sich bleiben, so wie man ist.Unsere Bilanz:Gisela Pieron ist keine Frau der gro%u00dfen Worte %u2013 aber ihre Worte tragen. In einer Zeit, in der weibliche F%u00fchrung noch als Ausnahme galt, hat sie den Weg gew%u00e4hlt, den niemand f%u00fcr sie vorgesehen hatte. Sie hat gef%u00fchrt %u2013 nicht mit H%u00e4rte, sondern mit Haltung. Nicht mit Ellbogen, sondern mit Blickkontakt.Dieses Gespr%u00e4ch ist mehr als ein R%u00fcckblick. Es ist eine Einladung, F%u00fchrung neu zu denken: auf Augenh%u00f6he, mit Mut und mit einem offenen Herzen.RESPEKT und DANKE, liebe Gisela,diese Kolumne mit deinen Erfahrungen zu bereichern.#Verantwortung#Menschlichkeit#Mut 58 I Portrait

