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132 I PortraitBeim Zuh%u00f6ren und beim Blick auf die Exponate wird schnell klar: Der IBENA-Faden, den dieses Unternehmen seit 1826 spinnt, musste so manchen brutalen Rei%u00dftest %u00fcberstehen. Hier geht es nicht um das %u00fcbliche %u201aH%u00f6her, schneller, weiter%u2018 %u2026 um sterile Jubil%u00e4ums-Selbstbeweihr%u00e4ucherung. Wir erleben hier ungeschminktes Storytelling %u2013 mit allen Br%u00fcchen, Brandnarben und Kanten. Es ist die ehrliche Erkenntnis, dass das eigentliche Geheimnis von IBENA nicht im blo%u00dfen Konservieren der Vergangenheit liegt, sondern in der beispiellosen DNA, sich gerade in den dunkelsten Krisenzeiten immer wieder v%u00f6llig neu zu erfinden.%u00dcber uns und um uns herum h%u00e4ngen Decken %u2013 ein echtes Meer aus Farben, Mustern und Epochen. Das hier hat nichts von einer tristen, musealen Strenge, die einen auf Abstand h%u00e4lt. Keine ,Bitte nicht ber%u00fchren%u2018-Schilder, die den Entdeckerdrang bremsen. Im Gegenteil: Die Stoffe scheinen geradezu danach zu rufen, gef%u00fchlt zu werden. Notiz am Rande: Stephan Overbeck, der seit vielen Jahren zur Gesch%u00e4ftsf%u00fchrung geh%u00f6rt, und Kirsten kennen sich aus Teenagertagen %u2013 wobei es einige Zeit in Anspruch nahm, den echten Faden neu aufzurollen. Anne Beckmann, die Ehefrau des heutigen Inhabers Ralph Beckmann, und mich verbindet seit einiger Zeit das ehrenamtliche Engagement. Wenn man %u201e200 Jahre Familienunternehmen%u201c h%u00f6rt, rechnet man unweigerlich mit verstaubten Urkunden, endlosen Jahreszahlen und einer strikten ,H%u00e4nde weg%u2018-Mentalit%u00e4t. Aber das hier %u2013 das ist ein echtes Erlebnis. Es ist so greifbar und lebendig. Wie seid ihr auf diese unkonventionelle Art der Pr%u00e4sentation gekommen?Martin Schmidt: Die Idee zu dieser Ausstellung ist auf der IBENA-Seite recht pragmatisch entstanden. Die Gastgeber n%u00e4herten sich dem gro%u00dfen Jubil%u00e4um zun%u00e4chst mit einer echten Macher-Mentalit%u00e4t: Als Bocholter Haus mit ehemaligen Baumwollwebern im Familienstammbaum lie%u00dfen sie sich anfangs einfach vom Tun leiten. Um diese greifbare Begeisterung dann jedoch in ein fesselndes, museales Format zu gie%u00dfen, hat man Sophie-Marie Hoelge und mich als KuratorenDuo an die Seite geholt.Sophie-Marie Hoelge: Wir haben das Ganze nicht klassisch an einem strengen roten Faden aufgeh%u00e4ngt, sondern eine doppelte Erz%u00e4hlstruktur geschaffen. Es gibt eine Ebene f%u00fcr den historischen Kontext, wie etwa den Wiener Kongress, und eine Ebene f%u00fcr unsere eigenen Begriffe. Jedes dieser %u00fcber 300 Exponate spricht zu einem und macht etwas mit unserer Geschichte. Und ja, der Haptik-Wunsch der Besucher war uns extrem wichtig. Schon beim Aufbau war es schwierig, die Menschen davon abzuhalten, die Decken st%u00e4ndig anzufassen. Aber das ist v%u00f6llig okay. Daf%u00fcr h%u00e4ngen sie ja da.

