Page 92 - Demo
P. 92
90 I PortraitJa, das l%u00e4sst sich schwer ahnen, was wir hier in Bocholt lagern. Wenn du in eine normale Galerie gehst und die haben vielleicht 50 Rizzi-Werke, dann ist das schon extrem viel. Wir haben hier bestimmt 300 St%u00fccke, davon sch%u00e4tzungsweise 40 bis 50 Originale oder handsignierte Werke. Die Geschichte mit Rizzi ist f%u00fcr mich sehr emotional. Wir hatten 2011 eine gro%u00dfe Ausstellung mit seinen Werken hier in der Galerie, die sollte eigentlich bis zum 24. Dezember laufen. Heiligabend habe ich den Laden abgeschlossen und bin in die Weihnachtsferien gegangen. Und dann kam am 26. Dezember die Nachricht durch die Tagesschau: James Rizzi ist v%u00f6llig unerwartet verstorben.Ein Schock f%u00fcr die Kunstwelt. Wie reagiert man da als Galerist, wenn die Ausstellung quasi noch an den W%u00e4nden h%u00e4ngt?Peter Koenen: Wir standen vor der Entscheidung, was wir tun. Normalerweise explodieren die Preise sofort, wenn ein ber%u00fchmter K%u00fcnstler stirbt. Wir haben uns entschieden, die Ausstellung um vier Wochen zu verl%u00e4ngern %u2013 und zwar exakt zu den alten Preisen. Das war der absolute Wahnsinn, die Leute str%u00f6mten in den Laden wie verr%u00fcckt. Wir haben in diesen vier Wochen nach seinem Tod mehr verkauft als im gesamten Ausstellungszeitraum davor.Der Wert der Endlichkeit. Es ist eine harte, aber unumst%u00f6%u00dfliche Wahrheit des Kunstmarktes: Der Tod eines K%u00fcnstlers friert sein Lebenswerk ein. Es kommt nichts Neues mehr hinzu. Was vorher ein Bild war, wird pl%u00f6tzlich zu einem historischen Dokument, einem unwiederbringlichen Fragment einer abgeschlossenen Biografie.Wir schwenken %u00fcber die Werke von Frank Zander (Spurentafel-Nr. 5), Janosch (Spurentafel-Nr. 6) hin zu Impressionen des Cartoonisten Peter Gaymann. Insbesondere die K%u00fcchenbilder mit den H%u00fchnern (Spurentafel-Nr. 7), erachtete ich als w%u00fcrdig, unsere Private-Kitchen-Suite aufzupeppen ;-). Mit der Spurentafel-Nr. 9 habe ich das Bild gesegnet, was seinerzeit den Ansto%u00df f%u00fcr Story Part I gab %u2013 welche in der letzten PAN-Ausgabe (Spurentafel-Nr. 10) verewigt ist. Du vertrittst nicht nur die lauten Prominenten. Du bist auch ein Kurator f%u00fcr Geheimtipps. Du hast ein Auge f%u00fcr die stillen Talente, die den Markt bereichern. Stelle uns doch bitte einen solchen aus deinem Portfolio von insgesamt 45 K%u00fcnstlern vor. Gerne. Dann w%u00fcrde ich mit Claus Schenk beginnen, der wird dieses Jahr 80 Jahre alt. Er hat sein Leben lang von der Kunst gelebt. Claus ist ein absoluter Meister darin, Bilder zu entwerfen. Wir haben mit ihm eine Kooperation gestartet und er hat f%u00fcr uns fantastische Motive von Bocholt gemacht %u2013 das Historische Rathaus, detailverliebt und vielschichtig. Gestern Abend hatte ich ihn noch am Telefon. Mit seinen fast 80 Jahren l%u00e4sst er es etwas ruhiger angehen %u2013 d.h. er malt und gestaltet nicht mehr so viel. Wir sind mittlerweile die einzige Galerie in Deutschland, mit der er %u00fcberhaupt noch zusammenarbeitet. Das ehrt mich unglaublich, weil es auf Vertrauen und Verl%u00e4sslichkeit basiert.Wenn's geht ... immer vorrausschwimmen!!!frei nach Frank ZanderPeter Koenen & Claus Schenk

