Page 87 - Demo
P. 87
Portrait I 85Karsten, 33 Kilometer Fahrt f%u00fcr ein Mittagessen. Wie w%u00fcrdest du unser Zusammentreffen am letzten Silvester beschreiben? Karsten Becker: Das ist schon ein wenig verr%u00fcckt, oder? Zur gleichen Zeit, am gleichen Ort, der aufgrund seiner Lage nicht zu den Hotspots in Bocholt geh%u00f6rt. Die besten Bekanntschaften macht man durch reinen Zufall. Unglaublich, wo du Leute kennenlernst. Man muss aber offen sein. Wenn man offen, ehrlich und vertrauensvoll ist, f%u00fchrt das dazu, dass der andere sich auch %u00f6ffnet. Da ist ein Bauchgef%u00fchl. Der andere merkt das und denkt sich: Ey, der meint es ehrlich mit mir, komm, dann erz%u00e4hle ich mal was.Peter hat mir von dir erz%u00e4hlt. Nach au%u00dfen hin bist du ein klassischer Internist und Hausarzt am Stadtrand von Wesel. Aber wenn man etwas genauer hinsieht, bist du das, was man heute einen %u201eMultipassionisten%u201c nennt. Du sammelst alte Motoren und f%u00e4hrst historische Magirus-Lastwagen durch die Westsahara. Ein Arzt, der Herzen versorgt und schwere Dieselmotoren rettet. Wie passt das zusammen?Karsten Becker: Ich liebe den Ottomotor, den Diesel auch. Ich habe ganz gro%u00dfe Dieselmotoren, Lkws mit 19 Litern Hubraum. Mein Gro%u00dfvater war Betriebsleiter bei Krupp, er hatte 26 Patente, davon habe ich handwerklich ein wenig was mitbekommen. Ich habe damals aus der Not heraus angefangen, Autos zu reparieren, um mein Medizinstudium zu finanzieren. Aus einer Doppelgarage wurden sp%u00e4ter 2000 Quadratmeter mit acht Hebeb%u00fchnen und Motoren-Instandsetzung. Und wie ist es dazu gekommen, dass du dennoch imArztberuf gelandet bist? Ein unverr%u00fcckbarer Teil meiner DNA ist: Ich musste einfach Menschen helfen. Ich habe damals meine Hand auf den hippokratischen Eid gelegt, und das meine ich auch so. Bei mir wird jeder aufgenommen, der medizinischen Hilfebedarf %u2026 der ein Problem hat. Egal, von welcher Versicherung. Das Aufnahmekriterium in meiner Praxis ist nicht Privat- oder Kassenpatient. Es ist Nettsein, gegenseitiger Anstand und Respekt.Peter, wie kommt ein Galerist an einen Hausarzt, der in seiner Freizeit historische Motoren sammelt?Peter Koenen: Wir kennen uns durch einen gemeinsamen Freund. Er hatte mir Karsten empfohlen. Dann bin ich zu ihm %u2026 zum Check-up. Er sagte nur: Ach du Schande, da ist Eile angesagt. Dich kriege ich aber wieder hin.Karsten Becker (lacht): Da wir einen gemeinsamen Freund haben, habe ich Peter in mein privates Fitnessstudio bei mir zu Hause eingeladen. Ich habe ihn zu mir geholt und gesagt: So, jetzt m%u00fcssen wir etwas tun. Kraft, Ausdauer, Schwimmen. Wir haben durch den Sport %u00fcber 80 Prozent der Medikation eingespart. Peter und ich waren beide fr%u00fcher Weltenbummler, da hatten wir direkt was zu besprechen. Da hat sich %u00fcber die Jahre eine echte Freundschaft entwickelt.Eine Freundschaft, die auch Netzwerke verbindet. Karsten, du hast vorhin den Satz gesagt: %u201eDie K%u00f6nner kennen sich alle.%u201c Das bringt uns zu einer sehr spannenden Personalie in Peters Kunst-Portfolio. Du bist nicht nur Peters Arzt, sondern auch ein m%u00f6glicher Tippgeber in Sachen Kunst. Wie kam es zu deiner Verbindung zu Nora Baumberger, die viele von uns nur unter ihrem K%u00fcnstlernamen Dolly Buster kennen? Karsten Becker: Ich kannte ihren Mann Dino. Der war auch Oldtimer-Liebhaber, fuhr Ferrari. Er war ein herzlicher Lebemensch. Wir mochten uns einfach gut leiden. Dadurch habe ich auch Nora kennengelernt. Daraus hat sich ebenfalls eine gute Freundschaft entwickelt.Nora Baumberger, deren Bilder du als ART NETWORK exklusiv vertrittst. Schon reizvoll, oder, die andere Seite %u2026 die B-Seite, wie wir sagen %u2026 kennenzulernen? Peter Koenen: Ich wusste von Karsten, dass sie malt. Ich bin dann im Herbst mal hingefahren und habe mir das angesehen. Ich wusste ja gar nicht, ob das verk%u00e4uflich ist oder was f%u00fcr ein Stil das ist. Wei%u00dft du, es malen unheimlich viele Leute irgendwelche krummen Birken, und das ist auch v%u00f6llig in Ordnung. Aber die Frau malt richtig gut! Nora hat fr%u00fcher in Prag eine staatliche Kunstschule besucht. Das ist kein PromiHobby, das ist ihre erste Leidenschaft. Die Sachen sind %u00e4sthetisch, und toll ausgearbeitet.Nora hat gro%u00dfe Pl%u00e4ne. Sie produziert demn%u00e4chst eine Serie %u00fcber ihre Lebensgeschichte. Sie hat mich angesprochen, ob Teilimpression aus einem Bildvon Nora Baumberger

