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                                    FlashbackWir alle schreiben den 16. April dieses Jahres 2019 %u2026 und ich an diesen Zeilen. Ich rei%u00dfe mich los von den Gedanken an unseren letzten Besuch der Kathedrale Notre-Dame in Paris, in deren Dachstuhl gestern Abend ein Feuer w%u00fctete.Jetzt sitze ich am Schreibtisch und bin mir bewusst, dass es wenig Themen mit einer %u00e4hnlich hohen Fettn%u00e4pfchen-Wahrscheinlichkeit geben k%u00f6nnte. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich heute Mittag die Tastatur beiseitegeschoben habe.Ich wollte zun%u00e4chst dem ganzen Thema einen wissenschaftlichen Anstrich geben, Studien heranziehen, etc.%u00a0Ich war zu verkopft unterwegs bei diesem emotional besetzten Thema %u201eFrauen in F%u00fchrung.%u201c Da hilft nur %u201everstunden%u201c.Mit Einsetzen der sogenannten blauen Stunde um 21.11 Uhr habe ich einen Sp%u00e4tburgunder entkorkt, mir ein Glas davon eingegossen und Gedanken %u201eunplugged%u201c auf die Tastatur flie%u00dfen lassen:Ich besch%u00e4ftige mich seit 2002 intensiv mit dem Thema F%u00fchrung. Im Jahre 2010 war ich zu einem Gesundheitsgipfel in Grainau an der Zugspitze. Dort referierte ein Wissenschaftler dar%u00fcber, dass Frauen grunds%u00e4tzlich besser f%u00fcr F%u00fchrungsfunktionen geeignet seien als M%u00e4nner. Seine Begr%u00fcndung: Frauen vereinen prinzipiell viel mehr gesundheitsf%u00f6rderliche Kompetenzen in sich %u2026 wie z.B. Bescheidenheit, Teamf%u00e4higkeit, Zuh%u00f6ren, Einf%u00fchlen, Erkl%u00e4ren %u2013 emotionale Intelligenz halt.Kann das stimmen? Was sagen meine Erfahrungen? Was sagt mein Bauchgef%u00fchl? Konkrete Bilder von Personen tauchen vor meinen Augen auf, die das Geh%u00f6rte in Frage stellten. Erst als ich einzelne menschgewordene Gegenbeispiele und meine Befindlichkeiten beiseitestellte, konnte ich innerlich zustimmend nicken.Frauen in F%u00fchrungDer Start einer neuen Kolumne im PANWenn das so ist %u2026 warum sind Frauen im Bereich F%u00fchrung immer noch unterrepr%u00e4sentiert? Im Jahre 2017 las ich einen Artikel von diesem Menschen:Tomas Chamorro-Premuzic | Baujahr 1975 | Psychologe mit argentinischen Wurzeln |%u00a0Sozialwissenschaftler | Autor | Entrepreneur | Professor f%u00fcr Wirtschaftspsychologie in London und New York.Er forscht seit vielen Jahren zum Thema Pers%u00f6nlichkeitund F%u00fchrungskompetenzen. In einem Artikel f%u00fcr die %u201eHarvard Business Review%u201c und in seinem Buch beschreibt der Forscher, dass wir als Gesellschaft unf%u00e4hig sind, zwischen Selbst%u00fcberzeugung und tats%u00e4chlichem K%u00f6nnen zu unterscheiden.Quelle:%u00a0hbr.org/2013/08/why-do-so-many-incompetent-menDen einzigen Vorteil, den M%u00e4nner in Bezug auf F%u00fchrungspositionen gegen%u00fcber Frauen haben, ist %u2013 laut ChamorroPremuzic %u2013 der Hang zur %u00dcberheblichkeit.W%u00e4hrend Frauen oft zur%u00fcckhaltender und selbstkritischer sind, behaupten M%u00e4nner viel %u00fcberzeugter, etwas zu beherrschen. Er spricht von M%u00e4nnern, die zwar charmant, charismatisch und entscheidungsfreudig auftreten, die aber auch eher Risiken eingehen %u2026 impulsiver und aggressiver sind %u2026 die sich selbst mitunter schlecht im Griff haben. Er spricht von M%u00e4nnern, die sich zwar zun%u00e4chst gut darstellen k%u00f6nnen, deren Ego aber gr%u00f6%u00dfer ist als ihre F%u00e4higkeiten %u2026 und damit einer guten Zusammenarbeit mit ihren Mitarbeitern im Wege steht.Text:Roland Bu%u00df 90 I Living & Lifestyle
                                
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