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                                    Ich merke es meistens morgens als erstes, wenn Paula, unsere Labbih%u00fcndin und offizielle Verlags- und Agenturmitarbeiterin auf vier Pfoten, mit mir loswill, obwohl es drau%u00dfen noch k%u00fchl ist. Die Luft riecht anders. Nach Holz vielleicht. Nach Erde. Das Gr%u00fcn ist nicht mehr so satt, das Licht hat seinen Ton gewechselt. Die Welt tr%u00e4gt auf einmal Gold.%u00a0%u2013 Willkommen im Indian Summer.Hier bei uns in der Region, wo Paula und ich auf unseren Spazierg%u00e4ngen unterwegs sind %u2013 rund um Bocholt, Rhede, Barlo und den Feldern dazwischen %u2013 beginnt dieser %u00dcbergang oft schleichend. Paula schn%u00fcffelt sich ihren Weg %u00fcber taufeuchtes Gras, w%u00e4hrend ich stehen bleibe und beobachte, wie das Licht %u00fcber die B%u00e4ume zieht. Die Alleen kleiden sich um, von sattem Gr%u00fcn zu flammendem Ocker und Orange. Auf den Wiesen liegt der erste Raureif, d%u00fcnn wie ein Hauch, der die Gr%u00e4ser silbrig %u00fcberzieht. Es ist still. %u2013 Ich mag das! Nur ein V%u00f6gelchen zwitschert irgendwo leise, als w%u00fcsste es, dass jetzt die Zeit beginnt, in der nun alles wieder ein wenig ruhiger wird.Der Indian Summer ist keine klassische Jahreszeit. Er ist ein Gef%u00fchl. Ein Zwischenzustand aus dem Abschied von der hei%u00dfen Jahreszeit und dem Ankommen in einer gem%u00fctlich beginnenden Phase des Jahres. Er w%u00e4rmt %u2013 aber anders als der Sommer. Von innen heraus. Mit einer Tasse dampfendem Tee oder Kaffee, in einer groben, leicht unperfekten Keramiktasse oder einem samtigen Glas Rotwein, eingeh%u00fcllt in eine Decke auf der Terrasse %u2026 Die Welt wird wieder etwas weicher. Und ich auch? Ja, ich finde schon! Wenn Paula dann noch zwischen uns auf der Bank d%u00f6st, die Sonne langsam %u00fcber die Terrasse Richtung Westen verschwindet%u2026 Wie herrlich kann diese Stimmung sein, w%u00e4hrend das Laub leise wirbelt, bevor es dann zu k%u00fchl wird und wir von der Terrasse rein gehen?! Ich liebe es besonders, in diesen Wochen mit Paula durch die Felder in Barlo, den Prinzenbusch in Rhede oder auch durch den Stadtwald und an der Aaa entlang ins KubAai, um den Aasee oder in die andere Richtung, in die Stadt zu gehen. Die Felder f%u00e4rben sich langsam um, morgens liegt ein Hauch Nebel %u00fcber allem. In der Ferne bellt ein anderer Hund, irgendwo knackt ein Apfel vom Baum, und auf einer kleinen Wiese parkt ein Fahrrad im hohen Gras %u2013 jemand pfl%u00fcckt Hagebutten und Holunder. Es sind diese Bilder, die sich mir wohlig einpr%u00e4gen. Nicht spektakul%u00e4r. Aber sanft und sch%u00f6n. Und genau darin liegt f%u00fcr mich die Sch%u00f6nheit dieser Jahreszeit. Durch das weiche Licht %u00fcber den Feldern entlang der alten Alleen. Einfach sch%u00f6n! Meine Wahrnehmung ver%u00e4ndert sich. Es ist diese Mischung, die den Indian Summer so besonders macht. %u2013 L%u00e4ndliche Weite trifft auf kleine Stadtmomente, Ruhe trifft auf Rhythmus.Text: Kirsten Bu%u00dfLifestyle I 47
                                
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