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                                    Analoger SommerProlog: Nach der %u201ePapierliebe%u201c aus der letzten PAN-Ausgabe Mai & Juni, freue ich mich auf diese ungeplante Fortsetzung, die sich wie von selber ergeben hat. In unserer schnell getakteten Welt erleben wir einen kleinen, stillen Gegenentwurf zur digitalenWelt %u2013 und er kommt nicht etwa aus meiner Generation, sondern von ganz jungen Menschen. Ich durfte ihnen zuh%u00f6ren, wie sie erz%u00e4hlen, wie sie Tagebuch schreiben, Polaroids kleben, sich Zeit nehmen. F%u00fcr Gedanken, f%u00fcr Papier, f%u00fcr sich selbst.Was auf den ersten Blick wie Retro klingt, ist in Wahrheit ein ersehnter Trend: eine R%u00fcckbesinnung auf das Wesentliche. In diesem Artikel erz%u00e4hle ich von diesem Erlebnis bei Freunden, von Eindr%u00fccken %u2013 und vielleicht auch ein bisschen von meiner eigenen Sehnsucht. Nach einem Sommer, der nicht auf Likes wartet, sondern einfach gelebt werden darf. %u2013 Ein analoger Sommer. Ohne Eile, ohne Dauerbenachrichtigungen. Daf%u00fcr mit Tinte, Tape, Papier und echten Fotos und Momenten, die nicht durchs Filterkarussell geschoben werden m%u00fcssen.Neulich, bei einem dieser ersten lauen Abende im Garten, sa%u00df ich mit Freunden und ihren inzwischen erwachsenen Kindern am Tisch. Es ging %u2013 wie %u00f6fter in letzter Zeit %u2013 um das, was bleibt. Um das, was echt ist. Und dann sagte Lotta (Mitte zwanzig) pl%u00f6tzlich, w%u00e4hrend sie in einem handgebundenen Notizbuch bl%u00e4tterte: %u201eIch hab mein Handy zwar dabei, aber ich hab mir diesen Sommer vorgenommen, es liegt oft mit dem Display nach unten.%u201cWas f%u00fcr ein Satz. Ich war platt! Und auch das, was danach kam fand ich echt toll.Sie erz%u00e4hlte von Polaroids, die sie an einer W%u00e4scheleine %u00fcber dem Bett aufh%u00e4ngt. Von einem Reisetagebuch, das sie f%u00fchrt %u2013 nicht f%u00fcr den Blog, nicht f%u00fcr Follower, sondern einfach f%u00fcr sich. Vom Gef%u00fchl, mit der Hand zu schreiben. Vom Wert der eigenen Gedanken, wenn sie nicht geteilt werden m%u00fcssen.Ich h%u00f6re in letzter Zeit %u00f6fter solche Dinge. Von jungen Menschen, die sich zur%u00fccknehmen %u2013 und dabei irgendwien%u00e4her bei sich selbst sind. Die bewusst auf den Bildschirm verzichten, nicht aus Technikfeindlichkeit, sondern aus Sehnsucht nach Stille. Und Klarheit. Und Echtheit. Sie DETOXEN DIGITAL %u2013 Verr%u00fcckt!%u201eAnaloger Sommer%u201c, denke ich. Das ist es.Ich selbst bin mit Papier gro%u00df geworden. Tagebuch, das Durchdr%u00fccken eines F%u00fcllers, das Gef%u00fchl, wenn man sich verschreibt und es einfach stehen l%u00e4sst, durchstreicht oder den Tintenkiller benutzt. Mich hat diese neue, junge Bewegung %u00fcberrascht %u2013 oder vielleicht besser, ber%u00fchrt. Weil sie nicht nur etwas Nostalgisches hat, sondern auch Konsequenz. Die Generation, die mit WLAN und Smartphones aufgewachsen ist, entdeckt das Analoge als Haltung. Nicht aus romantischem R%u00fcckblick %u2013 sondern aus Bed%u00fcrfnis.Warum die Young-Generation pl%u00f6tzlich wieder Tagebuch schreibt, Polaroids klebt %u2013 und sich dem Moment hingibt%u201eIch hab mein Handy zwar dabei, aber ich hab mir diesenSommer vorgenommen, es liegt oft mit dem Display nach unten.%u201cText: Kirsten Bu%u00df50 I Living & LifestylePapierliebe... und warumPrint wieder sexy ist
                                
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