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                                    Portrait I 209%u201eTechnik unterst%u00fctzt %u2013 Authentizit%u00e4t entsteht. Wenn Menschen sich auf ihrem Foto selbst wiederfinden, ist f%u00fcr mich alles erreicht.%u201cPeter Lindbergh:%u00a0Du sagst %u201ebegleiten%u201c. Nicht %u201einszenieren%u201c. Das gef%u00e4llt mir. Viele verwechseln F%u00fchrung mit Kontrolle.Kirsten Bu%u00df:%u00a0Genau. Ich m%u00f6chte nicht kontrollieren, ich will einen sichern Raum schaffen. Viele, gerade im Business, kommen mit S%u00e4tzen wie: %u201eIch bin nicht fotogen%u201c oder %u201eIch hasse Fotos%u201c. Das ist selten wahr. Meist hatten sie nur noch nicht die Erfahrung, dass jemand sie wirklich sieht, ohne sie zu bewerten. Im Business ist der Druck oft hoch. Zeitfenster,Erwartungen, Au%u00dfenwirkung. Aber wenn Zeitdruck ins Shooting kippt, wird er zum schlechtesten Sparringspartner. Dann entstehen diese unbeholfenen Posen, dieses %u201eich muss jetzt funktionieren%u201c. Meine Aufgabe ist es, das rauszunehmen.Peter Lindbergh:%u00a0Und wie machst du das?Kirsten Bu%u00df:%u00a0Durch Klarheit. Durch Struktur. Durch Ruhe. Ich glaube, das wird untersch%u00e4tzt. Organisation ist keine trockene Eigenschaft sie ist ein Sicherheitsnetz. Wenn Menschen sp%u00fcren, dass jemand die F%u00e4den in der Hand hat, k%u00f6nnen sie loslassen. %u201eOrganisation ist meine St%u00e4rke. Menschen sind meine Leidenschaft. Mit meiner Kamera halte ich sie so fest, wie sie wirklich sind %u2013 authentisch, ehrlich und unverstellt.%u201cPeter Lindbergh:%u00a0 In meinen Augen ist das der Punkt. Du reichst ihnen die Hand. Nicht nur fotografisch. Du gibst ihnen das Gef%u00fchl, dass sie nicht performen m%u00fcssen. Ich habe nie verstanden, warum man Frauen oder Menschen %u00fcberhaupt so sehr verbiegen will, bis nur noch eine Idee %u00fcbrigbleibt. Mich haben immer die interessiert, die f%u00fcr sich sprechen, die authentisch sind.%u00a0 Bei Modeaufnahmen hat mich die Mode gar nicht interessiert, sondern das Model, der Mensch, der sie trug.Kirsten Bu%u00df:%u00a0Genau das war immer das Beeindruckende an dir. Du hast nicht die Mode-Ikonen in ihnen gesehen. Du hast deinen Umgang mit ihnen als Mensch in den Vordergrund gestellt. Dieses %u201eIch bin hier mit dir, nicht gegen dich.%u201c Und ja, ich bin auch Fan von Annie Leibovitz, weil sie Menschen in ihrer Welt zeigt, mitten im Leben, mit Umgebung, mit Kontext. Aber bei dir ist es dieses Leise, dieses Reduzierte, das alles letztendlich alles r%u00fcberbringt. Ein Gesicht, ein Blick, sogar ein Atemzug ... der richtige Moment.Peter Lindbergh:%u00a0 Schwarzwei%u00df ist f%u00fcr viele nur Stil. F%u00fcr mich war es eher ein Filter, der das Wesentliche %u00fcbrigl%u00e4sst.Kirsten Bu%u00df:%u00a0Kann ich nachvollziehen. Bei mir ist es %u00e4hnlich. Bei mir gerne auch mal in Farbe, wobei Schwarzwei%u00df schon mein Favorit ist . Mich interessieren Gesichter, in denen Geschichte steckt. Nicht im Sinne von %u201edramatisch%u201c, sondern im Sinne von %u201ewahr%u201c. Junge Gesichter k%u00f6nnen genauso viel erz%u00e4hlen wie alte oder gar ganz alte. Entscheidend sind Typ, Ausdruck, etwas, das man nicht nachbauen oder stellen kann.%u201eMich interessieren Gesichter, in denen Geschichte steckt. Die Kamera ist dabei nur Werkzeug %u2013 der eigentliche Fokus liegt auf dem Menschen und dem, was er erz%u00e4hlt.%u201cPeter Lindbergh:%u00a0 Viele Fotografen reden heute %u00fcber %u201eStorytelling%u201c, als w%u00e4re es ein Effekt. Dabei ist es eine Entscheidung. Lasse ich den Menschen als Menschen stehen oder mache ich ihn zur Oberfl%u00e4che? Retusche ist daf%u00fcr ein perfektes Beispiel. Wenn du jedes Detail glattziehst, ziehst du auch jedes Gef%u00fchl glatt. Dann hast du am Ende ein Bild ohne Leben.%u00a0Kirsten Bu%u00df:%u00a0 Und genau deshalb ist Businessfotografie f%u00fcr mich so spannend. Weil sie so oft in einen Strudel ger%u00e4t wie, %u201eBitte professionell, aber nicht kalt. Bitte stark, aber sympathisch. Bitte modern, aber nicht %u00fcbertrieben. Bitte souver%u00e4n, aber bitte ich selbst.%u201c Das klingt paradox. Ist es aber nicht. Es ist nur eine Frage des Blicks. Ich will, dass die Person auf dem Foto sich selbst erkennt. Nicht eine Version, die ihr jemand verkauft hat.Peter Lindbergh:%u00a0 Was w%u00fcrdest du sagen, was ist dein Fingerprint?
                                
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