Page 69 - PAN_April2020
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Mein erster Hund, ein Pudel-Dackel-Mischling, hieß Raudi und mein Vater hat ihn vor 40 Jahren für einen Appel und ein Ei von einem Be- kannten mitgebracht. Raudi hatte das typische Fell eines nicht haaren- den „Allergikerhundes“ und ging mit mir durch dick und dünn. Vor gut 15 Jahren suchte ich dann selbst einen Familienhund, der die Fellquali- tät meines damaligen Lieblings besitzt. In Ermangelung an geeigneten Tieren haben wir uns letztendlich für die reinrassige Großpudeldame Zita entschieden, die uns bis zum letzten Sommer treu begleitet hat. Heute wäre es kein Problem, einen Pudelhybriden zu erwerben. Der Markt ist voll von den sogenannten Designerdogs. Woran liegt das?
manche Tiere wie das nicht pudelige El- ternteil abhaaren. Die Pflege von Doodle und Poo kann sehr aufwendig werden. Ne- ben dem täglichen Bürsten, der Schur und bei haarenden Tieren das Herauskämmen der Unterwolle (Carding) stehen den Tier- haltern viele Möglichkeiten zur Fellpflege (Grooming) offen. Welche Option für Ih- ren Liebling die Beste ist, erfahren Sie bei meinen beiden Groomerinnen Kim und Tina. Übrigens ist auch das reine Pudelfell kein Garant auf die hypoallergene Eigen- schaft. Ich habe vor einigen Jahren aus Unwissenheit meine Pudeldame Zita einer Hundehaarallergikerin zum Streicheln an- geboten und wurde schon einen kurzen Moment nach der zaghaften Berührung eines Besseren belehrt. Mit großer Sorge musste ich eine Atemnotattacke bei der Frau beobachten.
Wenn Sie noch keinen Hund haben, dann empfehle ich Ihnen, sich vorher gut über die Eigenschaften einer Linie zu informie- ren und sich zu überlegen, ob Ihre private Situation einen Überraschungswelpen zu- lässt. Ich selbst bin übrigens über Umwege an meinen jetzigen Begleiter, die Riesen- schnauzerhündin Luna Bella, gekommen. Natürlich denke ich nicht über eine Wei- terzucht nach, obwohl die sogenannten Schnoodel (Schnauzer + Pudel) sicher ei- nen reißenden Absatz finden würden. Ihnen wünsche ich auch im April keine bösen Überraschungen beim Hundekauf und verbleibe mit den besten Grüßen bis zu meinem nächsten Artikel, mit dem ich Sie überrasche.
Ihre Dr. Simone Möllenbeck
Ein Hybrid ist eine gezielte Verpaarung zweier Hunde verschiedener Rassen. Ziel dieser Vermehrung ist, die hervorragen- den Eigenschaften beider Rassen mitein- ander zu kombinieren. Oft handelt es sich um Pudelhybriden, da ihnen das Fell eines für Allergiker geeigneten Hundes nach- gesagt wird. So tummeln sich inzwischen Labradoodle (Labrador Retriever + Pudel), Goldendoodle (Golden Retriever + Pu- del), Maltipoo (Malteser und Pudel), Aus- siedoodle (Australian Shepherd + Pudel) und viele mehr auf dem Markt. Neben der Haarqualität sollen beim Doodle oder Poo auch andere Eigenschaften wie die Famili- enfreundlichkeit des Retrievers, die Größe des Maltesers oder die Sportlichkeit des Australian Shepherds veranlagt werden. Problem bei diesen Kreuzungen ist, dass die herausstechenden Merkmale keines- falls planbar sind. Hybriden können wahre Überraschungskinder sein. So garantiert der Kauf eines Doodles oder Poos keines- falls ein nicht haarendes Fell. Möglicher- weise setzt sich auch das Haarkleid des anderen Elternteils durch, so dass bei- spielsweise die Hundehalter eines Gol- dendoodles wie beim reinrassigen Gol- den Retriever stets Fellbüschel in ihrer Wohnung finden und fleißig staubsaugen müssen. Auch die Charaktereigenschaften können überraschend sein. Zum Beispiel hat der Dackel in meinem damaligen Rau- di dafür gesorgt, dass wir meinen kleinen Freund aus dem ein oder anderen Fuchs- bau bergen mussten.
Als Tierärztin mache ich in den letzten Jahren bedenkliche Beobachtungen. Vie- len Käufern eines Hybriden ist nicht klar, dass sie sehr viel Geld für einen Welpen, der ein reines Zufallsprodukt ist, ausgeben und gegebenenfalls arg enttäuscht wer- den, wenn sich beim Neuzugang nicht die gewünschten Merkmale durchsetzen. Na- türlich ist es möglich, sich durch die ge- plante Verpaarung den idealen Familien- hund ins Haus zu holen, aber es können sich auch die nicht gewünschten Eigen- schaften oder sogar Krankheitsneigun- gen beider Elterntiere durchsetzen. Denn diese Vermehrungen unterliegen keinem Zuchtverband, der die Weiterzucht re- gelt, mit dem Nachteil, dass es keinerlei Auflagen bezüglich der Gesunderhaltung der Nachkommen gibt. Da meine Praxis den Schwerpunkt Zahnheilkunde besitzt, sehe ich persönlich auf diesem Sektor die größten Probleme. Häufig setzt sich bei den Pudelhybriden wie bei den rein- rassigen Tieren die Milchzahnpersistenz und der Fangzahnengstand durch, was in vielen Fällen in einer Operation zur Milch- zahnentfernung und im schlimmsten Fall mit einer Zahnspange endet. Rekordhalter der Zahnprobleme in meiner Praxis ist ein kleiner Cockerpoo (Cocker Spaniel + Pu- del). Ihm fehlen sage und schreibe neun von 42 bleibenden Zähnen. Beobachten Sie den Zahnwechsel Ihres Junghundes also ganz genau!
Viele Enttäuschungen sehe ich in meiner Praxis auch bezüglich der Fellstruktur, da
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