Page 68 - PAN_April2020
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Über die Gründe, ein Ehrenamt zu übernehmen
GEBEN & NEHMEN STREICHELT DIE SEELE
TEXT MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON WWW.WIR-FUER-BOCHOLT.DE)
 Seit nunmehr 12 Monaten ist Wir-für-Bocholt.de, die Homepage für Verei- ne und Ehrenamt, online. In dieser Zeit haben die Redakteure 41 Storys und Porträts veröffentlicht und dabei mit über 100 ehrenamtlich Engagierten gesprochen. Eine Frage kam dabei nie zu kurz: "Warum macht Ihr das?"
Vielen ist die Resonanz “von außen” nicht so wichtig, mitunter sogar unangenehm. Nicht aber die Resonanz unter denjenigen, für die sie sich einsetzen. “Man bekommt so viel zurück“ lautet eine häufige Antwort auf unsere Frage nach dem “Warum”.
Solches mitmenschliche Geben und Neh- men streichelt die Seele. Im Miteinander erfährt man sich im positiven Sinne als soziales Wesen. Zumal in einer Gemein- schaft mit Gleichgesinnten, in der Grup- pe oder im Verein. Das Zusammenwirken mit gleichen Grundsätzen, Absichten und Zielen hat seinen Wert fürs eigene Wohl, der mehr bedeutet als persönliches Ver- gnügen. Man erlebt, dass man gerade und oft nur im Team Dinge bewegen und da- mit (auch) anderen nützen kann. Gemein- sinn, Gemeinschaftlichkeit nützen nicht nur einer zunehmend von Egoismus be- stimmten Gesellschaft, sondern bedeu- ten auch persönlichen Erkenntnisgewinn. Das alles zusammen gibt Kraft und Elan und verleiht Motivation, sich weiterhin zu engagieren.
Von all dem erfahren wir im Gespräch immer mal ein bisschen. Häufig aber folgt auf unsere Frage, was die Engagierten an- treibt, ein Achselzucken. Über das “Wieso und Weshalb” macht man sich kaum Ge- danken. Es gibt halt, mit Erich Kästners Worten, nichts Gutes, außer man tut es. Und das gilt als irgendwie selbstver- ständlich. Ehrensache könnte man sagen, würde nicht viel mehr dahinterstecken.
Wenn engagierte Bocholterinnen und Bocholter erzählen, haben sie zwar keine eindeutige, keine präzise Antwort, aber sie lässt sich aus ihren Schilderungen ab- lesen. Und sie lässt sich spüren. Weil das ansteckend ist, müssen wir unbedingt weiter fragen und sie zu Wort kommen lassen.
Was bewegt Menschen, sich für andere zu engagieren, ohne das in Rechnung zu stel- len? Ganz abwegig ist die Frage ja nicht in einer Gesellschaft, in der Geld und Bezah- lung eine dominante Rolle spielen. Und was antworten die Leute dann?
Von Ehre sprechen sie nicht. Obwohl es sich um ein Ehrenamt handelt. “Ehrenamt? Das sind die, die kostenlos arbeiten und dafür manchmal einen Orden bekommen” lautet eine Idee davon, was es mit diesem Begriff auf sich haben könnte. Mit der Ehre ist das halt so eine Sache. Ein schillernder, teils fragwürdig verwendeter Begriff. In frühe- ren Zeiten duellierte sich ein Ehrenmann, um bei Erfolg in Ehren zu ergrauen. Und die Ehre diente als Floskel eines gepflegten Umgangsstils: Man hatte oder gab sich die Ehre, fühlte sich geehrt oder beehrte sich. Die Anrede “Sehr geehrte Damen und Her- ren” ist weiterhin förmlicher Standard. An-
gela Merkel war es eine Ehre, CDU-Chefin gewesen zu sein. Ob das ein Ehrenamt war?
Ehrenvorsitzende in Vereinen werden dazu ernannt, weil sie sich „verdient ge- macht“ haben. Eine Anerkennung also, eine Auszeichnung. Wenn man so oder auf andere Weise geehrt wird, tut das in aller Regel gut. Bei den vielen engagier- ten Bocholterinnen und Bocholtern ist das nicht anders. Sie freuen sich über den Ehrenamtspreis oder die Ehrenamtskarte. Um eine Ehrung fürs Prestige geht es den allermeisten von ihnen nicht. Eher um Re- sonanz, um die Bestätigung, dass sie „et- was Nützliches und Sinnvolles tun”, wie ei- ner unserer Gesprächspartner sagte. Das sorge dann für ein “gutes Gefühl”. Zufrie- denheit ist vielleicht ein passender Aus- druck. Und es ist nicht übertrieben, von Glück zu sprechen: Wohlbefinden durch Sinnerfülltheit ist ein Bestandteil davon.
Vital





















































































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