Page 63 - PAN_April2020
P. 63

sich schnell darüber einig, dass ein Ge- sundheitszentrum die Versorgungssitua- tion nicht nur der Sporker, sondern auch der Bocholter Bürger insgesamt verbes- sern könnte.
Mit dem Zuschlag für die Projektförderung im Rahmen des Leitmarktwettbewerbs Ge- sundheit.NRW konnte diese Idee über drei Jahre intensiv verfolgt werden. Ergänzt durch das tatkräftige Engagement der Zi- vilgesellschaft und mit Unterstützung aus Politik und Verwaltung wurde das Ge- sundheitszentrum erfolgreich aufgebaut. Besonders hervorzuheben sei dabei – so die Einschätzung von Andrea Unland (Ge- schäftsführerin L-i-A e.V.) – der niedrig- schwellige Ansatz: Die Nutzer stehen im Mittelpunkt und haben die Möglichkeit, komplexe Fragestellungen gemeinsam mit einem multiprofessionellen Team zu lösen. Dies wird durch eine Koordinierungsstelle unterstützt, die auf Grundlage der Inter- essen, Wünsche und Bedarfe der Bürger einen Mix aus professionellen und ehren- amtsgestützten Angeboten für das Ge- sundheitszentrum zusammengestellt hat. Hier hat sich – so bekräftigen Ursula Ange- nent (Physiotherapeutin im Gesundheits- zentrum) und Ursula Löken (Kursanbiete- rin des DJK TUS STENERN) – eine äußerst fruchtbare Zusammenarbeit entwickelt, von der alle beteiligten Akteure und die Bürger profitieren.
Das schätzt auch Dr. Matthias Heuber- ger vom Institut für Zukunftsfragen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft der Evangelischen Hochschule Darmstadt so ein: „Die vielen unterschiedlichen Akteu- re bereichern das Gesundheitszentrum und schaffen viele Möglichkeiten sich zu beteiligen.“ Gleichzeitig steige aber auch der Koordinierungsaufwand und die An- forderungen, die professionelle Anbieter, ehrenamtlich Aktive und Nutzer an das Gesundheitszentrum LUDGERUSHOF stellen, nähmen zu. Den damit verbunde- nen Herausforderungen könne durch eine Weiterentwicklung des Gesundheitszen- trums zu einem regionalen Gesundheits- netzwerk begegnet werden – ein Ansatz, der bereits in die Projektarbeiten einge- flossen und weiter auszubauen sei. Aus Sicht der Bürger wird das Gesundheits- zentrum als wesentliche Unterstützung gesehen, vor Ort etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Die Auswertung zei-
ge, so Stephanie Lechtenfeld (Institut für Gerontologie an der TU Dortmund), dass das Angebot positiv bewertet und nicht nur von den Sporker Bürgern, sondern auch in der Gesamtstadt Bocholt und auch außer- halb davon wahrgenommen und genutzt werde. Vor allem die persönliche und fami- liäre Atmosphäre werde geschätzt und ein individueller Gesundheitsgewinn festge- stellt: die Nutzer beobachten Verbesserun- gen in der Beweglichkeit und im eigenen Wohlbefinden und haben die Angebote als festen Programmpunkt in ihr Leben inte- griert. Dies wird auch von einer Nutzerin bestätigt, die das vielseitige Angebot im Gesundheitszentrum schätzt.
In Kooperation mit dem Institut für Ge- rontologie an der TU Dortmund wurde im Gesundheitszentrum zudem ein ehren- amtsgestütztes Angebot der Gesundheits- begleitung entwickelt und umgesetzt, das Bürger unterstützt, für die eigene Ge- sundheit (wieder) aktiv zu werden. Zehn Bocholter Bürger wurden zu ehrenamt- lichen Gesundheitsbegleitern qualifiziert und erleben diese Tätigkeit als sinnvoll: Es macht ihnen Spaß, neue Menschen ken- nenzulernen und neue Aufgaben zu be- wältigen.
Die Gesundheitsbegleitung ist auch ein Zugewinn für die eigene Gesundheit, weil z.B. durch die Bewegungsaktivitäten mit der Begleitperson zeitgleich die eigene Gesundheit verbessert werden kann. Ein Grundprinzip beim Auf bau der Initiative ist die Beteiligungsorientierung gewe- sen, berichtet Britta Bertermann (Institut für Gerontologie an der TU Dortmund), die als Lernbegleiterin intensiv mit den Gesundheitsbegleitern zusammenge- arbeitet hat. Die Ehrenamtlichen hatten und haben die Möglichkeit, sich einzu- bringen und aktiv mitzugestalten. Für die
Qualifizierung zur Gesundheitsbeglei- tung wurde ein eigenes Konzept entwi- ckelt. Ebenfalls neu ist, dass im Rahmen des Projektes erstmals auch (haftungs-) rechtliche Fragen der ehrenamtlichen Gesundheitsbegleitung adressiert wur- den. Mit seiner Expertise zeigte Prof. Dr. Gerhard Igl (Institut für Gerontologie an der TU Dortmund) anschaulich die Hand- lungsspielräume und Einsatzmöglichkei- ten in diesem Engagementfeld auf.
Rückblickend resümierte Prof. Dr. Andrea Kuhlmann (Institut für Gerontologie an der TU Dortmund), dass sich das partizipative Vorgehen im Projekt als gewinnbringend darstellte, denn nur durch die Einbindung der Menschen vor Ort war es möglich, ein passgenaues Angebot im Gesundheitszen- trum zu entwickeln. Sie dankte im Namen des gesamten Projektverbundes allen Bür- gern, lokalen Gesundheits- und zivilgesell- schaftlichen Akteuren sowie Vertretern aus Politik und Stadtverwaltung, die sich mit Motivation und viel Engagement in das Projekt eingebracht haben.
Mit dem Abschluss des Projektes sind die Grundlagen und Voraussetzungen geschaf- fen, um die Arbeiten im Gesundheitszent- rum fortzuführen und weiter auszubauen. Dies wird ein wesentlicher Schwerpunkt der Aktivitäten des Vereins „Leben im Al- ter“ sein, stellte Andrea Unland abschlie- ßend in Aussicht.
63
  Vital
























































































   61   62   63   64   65