Page 43 - PAN_April2020
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Und so begab es sich des Nächtens im Februar, dass ich beim Zappen an einer Reportage von WISO hängengeblieben bin. Das Thema „Teuer oder Billig-Bolo- gnese“. Im Focus standen Fertigprodukte von Discountern und Supermarktketten. Und zwar von 0,80 Euro bis 3,16 Euro für ein 400 ml Glas. Zunächst wurde der ge- ringe Fleischanteil moniert, der lag bei 16 bis 23%.
Das dürfte in etwa dem Intelligenzquo- tienten (IQ) derjenigen entsprechen, die glauben, dass man für so wenig Geld mehr Fleisch in einem Fertigprodukt erwarten darf. Mit einem IQ von 23 ist die Wahr- scheinlichkeit sehr hoch, dass man in Wolle gehüllt auf einer neuseeländischen Weide steht und blökt - so schließt sich der Kreis.
Jetzt mal im Ernst, für diese erhellen- den Erkenntnisse braucht man sicher kein Labor. Da reicht es doch schon aus, wenn man sich morgens die Schuhe al- leine zubinden kann - man also halbwegs geordnet, beidbeinig im Leben steht. Ich habe mir die Frage gestellt, ob ich mit der artigen Bezahlung meiner Rundfunkge- bühren, diesen spektakulären Untersu- chungen, nebst deren bahnbrechenden Erkenntnisse mitfinanziere? Dann kam die gute Nachricht: Die Produkte wur- den auf insgesamt 7 Tierarten getestet. Die Konsumenten der geprüften Produk- te dürfen (momentan) darauf vertrauen, dass keine Equus unter gemengt wurden. Wer jetzt nicht weiß, was das sein könn- te - Fury und Black Beauty zum Beispiel. Flipper hingegen nicht. Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, ob letzterer durch die Tests ausgeschlossen werden konn- te. Wer das jetzt unlogisch findet, weiß ungefähr, wie es mir in dieser besagten Nacht ergangen ist. Da wurde nämlich moniert, dass einige Produkte Spuren von Zucchini, Rosmarin, Thymian, Lorbeer etc. aufwiesen. Mich hatte das eigentlich beruhigt. Aufgeregt-verkniffener sahen das die Vertreter der Accademia Italia- na della Cucina - einem gemeinnützigen Vereinen, der sich für die Wahrung ita- lienischer Esskultur einsetzt. Die haben nämlich am 17. Oktober 1982 das Origi- nalrezept bei der Handelskammer von Bologna / Italien hinterlegt. Das ist mir zu blöde, deren Dogmen hier niederzu- schreiben, die könnt Ihr bitte googeln.
Wie kann man bei der Kulinarik so pedan- tisch sein und sich jahrelang von einem Steuerbetrüger regieren lassen - schoss es mir durch den Kopf. Wonach es nicht einmal gesichert ist, wer diese Speziali- tät überhaupt erfunden hat. Wenn das mal nicht schon wieder diese Schweizer waren :) Gesichert ist allerdings, dass Ihr wohl nirgendwo in Italien Spaghetti Bo- lognese serviert bekommt. Denn bei der angesprochenen Originalrezeptur der „Ragù alla Bolognese“ handelt es sich um eine Fleischsauce, die traditionell mit Ta- gliatelle serviert wird. Denn daran kann sich das Ragout besser festklammern, da- für sind Spaghetti vollkommen ungeeig- net - so die Behauptung.
Habe ich mich aufgeregt in dieser Nacht. Vor 2 Jahrzehnten konnte man Nachts den Fernseher nicht anmachen, ohne bei „Reife Frauen warten auf Dich - Rufe mich an!!!“ auf fast allen Privaten Kanälen das Gesicht zu verziehen. Heute sind es kulinarische „Auf klärungs-Reportagen“ im Öffentlich-Rechtlichen, die einem die Lust am Leben vernebeln. Ich weiß gera- de nicht was schlimmer ist.
Bevor ich es vergesse, der Star des Tests war das Produkt „Gut & Günstig“ von AKEDE (Name von der Reaktion ge- ändert :) - zugleich mit der günstigste Kandidat in der getesteten Range, mit
einem Fleischanteil von immerhin 21%. Mein Unmut über Fertigprodukte und Haarspalterei trug sich auch noch in den nächsten Tag und so war es eine logische Konsequenz, dass die Chef- redakteurin den Weg zu einem nahe- gelegenen Metzger antrat, während ich den Einkaufswagen mit all den anderen Zutaten füllte, die Ihr auf den Fotos seht. Kirsten hatte auf jeden Fall mehr Spass bei den Bildern, wie frisches Rindfleisch vor ihren Augen durch den Fleischwolf eines ordentlichen Metzgers gedreht wurde, als ich beim Betrachten dieses denkwürdigen Beitrags in der Nacht. Das entsprechende Video ist übrigens noch bis zum 05.02.2019 in der Mediathek des ZDF abruf bar. Zusätzlicher Service: Die Laborergebnisse sind als Download ver- fügbar. Aber wer will das?
Jetzt habt Ihr die Wahl:
a.) Ihr entscheidet Euch für eines der getesteten Fertiggerichte. Zumal die Beipackzettel jetzt digital verfügbar sind. b.) Ihr lest weiter.
Zunächst gilt: Schmeißt bitte all den Un- sinn über Bord, der dort vermittelt wurde und lasst Euch von den Bildern inspirieren. In der Draufsicht verraten wir Euch alles, was wir verarbeitet haben. Und wenn Ihr z.B. Paprika doof findet oder gegen irgend
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