Page 41 - PAN_April2020
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Bei der Zubereitung der Homemade-Pasta (siehe Kolumne in dieser Ausgabe), bekam ich aufgrund des Mehlstaubes einen ganz schön trockenen Hals. Zudem war ich ja quasi gezwungen, Euch einen passenden Wein zu dieser herbstlich an- mutenden Pilz-Pasta vorzustellen.
Normalerweise hätte ich zu einem Pinot-Noir gegriffen. Doch der Einsatz von Trüffelöl und herbem Parmesan, schrie irgendwie nach einem mittelschweren Kaliber, statt einem leichtgewichtigen, eleganten Pinot-Noir. Habt Ihr auch so vi- nologische Wundertüten in Eurem Haushalt? Also Weine, die irgendwie Einzug in Eure Wohnung gehalten haben, ohne dass Ihr Euch noch erinnern könnt, ob es die Draufgabe eines Piz- za-Lieferdienstes war oder das wohlbedachte Geschenk guter Freunde? wAlso bei uns gibt es solche Pullen! So kam es an die- sem Abend zum Entkorken des Indio, mit der nötigen Muße. Beim ersten Schnuppern klatschten die Nasenflügel Beifall. Der gleiche Geruch, als wenn ich Wildbeeren einkoche, um daraus ein Dressing herzustellen. Mal schauen, was der Gaumen dazu sagt? Die Geschmacksnerven der Zunge signalisierten „Liebe auf den ersten Schluck“, extrem weich machte sich der Tropfen im Mund breit und war auch nach dem Schlucken noch ange- nehm lange präsent. 90% Montepulciano paaren sich in dieser Cuvee mit 10% Cabernet Sauvignon. Was darf dieser Wein kos- ten, so die Frage meiner Lieblings-Chefredakteurin. Also, mir wäre der Genuss dieses Tropfens 20 Euro wert - pro Flasche. Die Recherche im Netz überraschte mich gleich zweifach: 7,69 Euro, wirklich ein grandioses Preis-Leistungsverhältnis. Wun- derbar, denn die Rufnummern 02561- signalisiert mir, dass der Onlinehändler ganz in der Nähe ansässig ist und zwar in Ahaus. Rasch mit Herrn Lombardi telefoniert...DPD ist nicht erforder- lich....ich bin zu neugierig....ich komme selbst. Vor Ort bilanzie- re ich, so kann es gehen. Die Verschmelzung zwischen Online- handel und Geschäft vor Ort. Keine spektakuläre Einrichtung. mehr ein Kartonlager, aber dafür eine verheißungsvolle Aus- wahl. Neben dem Indio fand ein Primitivo auf der Ladefläche des Landy´s platz. Zu sehr hatte Herr Lombardi von diesem Tropfen geschwärmt. Zu meiner Frage nach einem Amarone lieferte Herr Lombardi drei flüssige Antworten bis zu einem Preislevel von 105 Euronen. Also hier bekommt man also auch Weine, wo man nicht jeden Tag den Korkenzieher strapaziert, sondern auch zu außergewöhnlichen Anlässen - wie z.B. bei einem Heimsieg des HSV!
Herr Lombardi sagte, ich solle unbedingt bis Ende Oktober warten, dann würde ein imposanter Tropfen zu einem un- schlagbarem Preis eintreffen. Den Newsletter von www.vinoa- mano.de habe ich gerade abonniert, den Tropfen will ich nicht verpassen. Ganz ehrlich, bei der Frage: “Internet - Fluch oder Segen?“ habe ich eine klare Position. Ich empfinde es als pure Bereicherung. Ich weiß nicht, wie früher die kulinarisch-vino- logische Welt funktioniert hat?
Ach ja, da uns der edle Spender des Indio immer noch unbe- kannt ist, werden fortan alle Gäste nebst Mitbringsel mit dem iPhone dokumentiert.
DER WEIN
ZUR PASTA
„Einem geschenkten Gaul schaut man zumindest auf’s Etikett!“
 In diesem Sinne Eure WineScouts


























































































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